Künstler können nach dem C2C-Prinzip entwerfen, also von der Wiege bis zur Wiege. Bei diesem Konzept geht es darum, dass das von uns geschaffene Produkt in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden kann, dass sein Lebenszyklus in einem geschlossenen Kreislauf stattfindet und dass es nicht zu Müll wird – schlagen Natalia Lulek und Sebastian Zgutka vor, die den zweiten Preis im 7R-Wettbewerb „Warehouse of art: Young art for the planet“ in der Kategorie „ergonomischer Sitz“ gewonnen haben.
Woher kam die Inspiration für den Wettbewerbsentwurf mit dem Titel „Ergonomischer Sitz auf Basis parametrischen Designs“?
Sebastian Zgutka: Wir ließen uns von einem Stoff mit Holzelementen inspirieren, den eine andere Künstlerin einst verwendet hatte. Es war ein Aufeinandertreffen der menschlichen Welt, in der wir geometrische Formen schaffen, mit der biomorphen Welt, die sich durch Weichheit auszeichnet. So entstand ein Material, das Stoff mit Bambus verbindet.
Natalia Lulek: Was uns am meisten interessiert hat, war seine Flexibilität, und für die Ergonomie braucht man ein Material, das sich der Form des menschlichen Körpers anpassen kann.
S.Z.: Wir haben uns auch mit der Untersuchung der Abdrücke unserer eigenen Körper und den Unterschieden zwischen ihnen beschäftigt . Außerdem haben wir spezielle Software zur Designoptimierung eingesetzt und dabei den Delaunay-Algorithmus verwendet, der die Auswahl eines ergonomisch optimalen Dreiecksgitters ermöglicht.
N.L.: Das parametrisch entworfene Gitter aus dreieckigen Bambusmodulen ermöglicht eine Anpassung des Materials an den Körper. Die Form der Sitzfläche orientiert sich an der Anatomie des menschlichen Körpers. Auf dem Möbelstück lassen sich verschiedene Positionen einnehmen, und die Sitzfläche passt sich dem Benutzer von selbst an. Es stehen zwei Sitzpositionen zur Verfügung – liegend und halb stehend. Die Kombination aus Bambusdreiecken und Hotmelt-Gewebe schafft eine weiche und zugleich feste Sitzfläche. Bambus-Sperrholz ist ein ökologischer, natürlicher Rohstoff, der sich schnell erneuert, und die Dreiecke werden in einem einzigen Arbeitsgang ohne großen Materialabfall ausgeschnitten.
Welche Rolle spielen Natur und Umwelt in euren Arbeiten?
N.L.: Manchmal lasse ich mich von der Natur inspirieren, aber sie ist nicht meine einzige Inspirationsquelle. Mich interessieren vor allem psychologische und pädagogische Themen.
S.Z.: Das kommt darauf an. Die Natur spielt in meinem Schaffen mal eine größere, mal eine kleinere Rolle. Mich interessiert zum Beispiel die Biomimikry.
Wie können Künstler das Bewusstsein der Menschen für den Schutz unseres Planeten beeinflussen?
S.Z.: Sie könnten beispielsweise nach dem C2C-Prinzip entwerfen, also „Cradle to Cradle“ (dt. „von der Wiege zur Wiege“). Bei diesem Konzept geht es darum, dass das von uns hergestellte Produkt wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden kann, dass sein Lebenszyklus in einem geschlossenen Kreislauf stattfindet und dass es nicht zu Müll wird.
N.L.: Was ich jetzt sage, mag vielleicht etwas kontrovers klingen, aber Designer könnten sich im Entwurfsprozess ein wenig vom Kapitalismus lösen. Ich meine damit, keine Dinge zu entwerfen, die in ein, zwei oder drei Jahren zu Müll werden und durch neue ersetzt werden müssen. Der Mensch hat von allen Lebewesen den größten Einfluss auf den Planeten. Wenn wir anfangen, verantwortungsbewusst zu entwerfen, besteht die Chance, dass sich etwas zum Besseren wendet.
Spielt Umweltschutz in eurem Alltag eine wichtige Rolle?
N.L.: Seit sieben Jahren versuche ich, kein Fleisch mehr zu essen, und ich kaufe auch weniger Kleidung. In Zukunft möchte ich mich komplett von Fast Fashion verabschieden und Veganerin werden.
S.Z.: Mich persönlich inspiriert das Wirken von Victor Papanek aus den 1970er Jahren. Seine Schriften, die zunächst verspottet und unterschätzt wurden, haben sich im Laufe der Zeit zu einem Kanon des verantwortungsvollen Designs entwickelt. Er wurde als „Müll-Designer“ bezeichnet, weil er versuchte, Dinge wieder in Umlauf zu bringen, deren Lebensdauer – zumindest nach allgemeiner Meinung – abgelaufen war.
Über den Wettbewerb „Warehouse of Art“
Der 7R-Wettbewerb „Warehouse of art: Young art for the planet“ richtete sich an Studierende und Absolventen der Akademie der Bildenden Künste in Warschau. Das Leitmotiv lautete „Technologie. Ökologie. Mensch. Koexistenz“. Die Wettbewerbsaufgabe bestand darin, ein Designobjekt mit ökologischem Bezug in einer der drei Kategorien zu entwerfen: ergonomischer Sitz, Wandbild für einen Löschwasserbehälter und ökologisches 7R-Gadget. Insgesamt gingen 26 Arbeiten ein. Die Arbeiten der Preisträger sind auf der Website7rwarehouseofart.pl zu sehen.